Inga und Lutz

Oder: Die potentielle Holistik eines Schnellkochtopfs im Kosmos des modernen Seins.
von Nis-Momme Stockmann
 
am 29.05. um 20.30
»Die Inszenierung vom Theater Braunschweig ist eine abstrakte, die den Text und das Innenleben der Protagonisten in den Mittelpunkt stellt und uns auf eindrucksvolle und überaus sehenswerte Weise demonstriert, dass ein nicht abgeholter Schnellkochtopf die kosmische Ordnung ins Wanken bringen kann.«
Die junge Bühne / Elsa Wellmann-Gilcher

»Alexis Bug hat mit seiner Uraufführung am Staatstheater Braunschweig dankenswerterweise das Stück mit schrillem Witz und schnellen Szenenschnitten zur Sozialfarce verwandelt. Mit wunderbaren Komödienspielern, Anika Baumann als Inga vor allem.«
Dirk Pilz in der Berliner Zeitung vom 15.12.

»Diese Mitt- und Endzwanziger, die unsere Kinder sind, zeigen so viel von uns, obwohl sie unsere Chancen schon lange nicht mehr haben, dass wir ihnen nur dadurch helfen können, dass wir nicht aufhören, ihnen zuzuschauen. «
Gerhard Stadelmaier, FAZ vom 13.10.2010
»Spielwitz und Zeitkritik ist auch Alexis Bug mit seiner Uraufführung von »Inga und Lutz« gelungen. Das Stück leidet unter seinem sozialkritischen Furor, die Inszenierung befreit es mit schrägen Puppen, schrillem Witz und schnellen Szenenschnitten daraus zu einer irrwitzigen Sozialfarce. Während Stockmanns Texte zuweilen nach grober Anklagedramatik aussehen, beweist hier die Regie, dass sich Spielwitz und Zeitkritik nicht ausschließen müssen.«
Neue Züricher Zeitung, 21.10.2010
»Es geh hoch her (…) in der »Hausbar«, einer kleinen Studiobühne mit Ausschank, die das Staatstheater Braunschweig mit dem bisher unaufgeführt gebliebenen Erstling von Nis-Momme Stockmann einweiht. Mit einem Stück also, das (...) eine ziemlich steile Kurve zu einer bizarr zynischen Gewaltorgie nimmt, die die blutlustige Logik eines Tarantino-Drehbuchs mit dem hingebungsvoll klamaukigen Auf-und-Zu von Boulevardtheatertüren verbindet.«
André Mumot, Nachtkritik.de am 09.10.10

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Es fängt ganz harmlos an: Die Waschmaschine geht kaputt. Aber wie das so ist, hat sich erst einmal ein Haarriss an der Oberfläche der Normalität gezeigt, liegt die Welt oft kurze Zeit später schon in Schutt und Asche. Und Bingo! Am nächsten Tag wird Lutz gefeuert. Und das, wo Inga noch am Studieren ist. Und eigentlich ein Kind mit Lutz haben will. Was aber ein Thema ist, das Lutz gern noch etwas aufschiebt.
Genauso wie die Abholung eines Schnellkochtopfes von seiner Mutter. Denn Lutz ist ein krankhafter Aufschieber. Das sagt auch Manni, der mit Lutz eine Firma gründenwill, wozu sie aber das Geld brauchen, das Inga für das Kind zurückgelegt hat. Nur: Inga rückt das Geld nicht raus. Also gehen Manni und Lutz zu einem Kreditinstitut. Und ja: Die Idee war richtig blöd! Das Ganze geht auch, ganz ehrlich, nicht gut aus für alle Beteiligten. Auch nicht für Ingas Freundin Britta, für die Lutz ja den Schnellkochtopf von seiner Mutter holen sollte.
Stockmanns anarchistisch-komische Alltagseskalation folgt dem Grundsatz, nach dem die besten Absichten die größten Katastrophen hervorbringen. Holistik übrigens ist die »Lehre vom Ganzen«. Und die Gefährlichkeit von Schnellkochtöpfen ist ja bekannt.

Nis-Momme Stockmann, geboren 1981, gehört zu den derzeit bemerkenswertesten jungen Autoren. Für »Der Mann, der die Welt aß« wurde er 2009 beim Heidelberger und beim Berliner Stückemarkt ausgezeichnet. Seit 2009 ist Stockmann für drei Jahre als Hausautor am Schauspiel Frankfurt engagiert. Sein Stück »Kein Schiff wird kommen« wurde für den Mülheimer Dramtikerpreis 2010 nominiert.


 

Uraufführung
Premiere am 08.10.2010

Hausbar


Inszenierung: Alexis Bug
Bühne: Philipp Baumhauer
Kostüme: Claudia González Espindola
Musik: Tobias Gronau
Video: Claudius Strack
Puppenbau: Felix Loycke
Dramaturgie: Charlotte Orti von Havranek
Theaterpädagogik: Angelika Andrzejewski

Mit:
Manni/ Sprecher (Puppenspiel): Philipp Plessmann
Inga: Anika Baumann
Lutz: Philipp Richardt
Britta: Theresa Langer