Falstaff

von Giuseppe Verdi
Commedia lirica in drei Akten
in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Publikum und Kritik waren verblüfft, als der längst zum Mythos gewordene Verdi im hohen Alter von fast 80 Jahren nochmals mit einem Bühnenwerk an die Öffentlichkeit trat – mit einer »lyrischen Komödie«, einem Genre, das als unvereinbar mit Verdis melancholischem Naturell galt. So wurde die Uraufführung 1893 an der Mailänder Scala mit Spannung erwartet. Vor internationalem Publikum gestaltete sie sich zu einem glanzvollen Premierenereignis.
Wie Otto Nicolais 1849 uraufgeführte Oper »Die lustigen Weiber von Windsor«, beruht auch Verdis »Falstaff« auf Shakespeares gleichnamigem Lustspiel. Doch im Gegensatz zu Nicolai bietet Verdi weit mehr als einen Schwank über fidele Frauen, die den lächerlichen Ritter Falstaff zum Spielball ihrer Launen machen. Ihm gelingt nicht nur die höchst subtile Ausgestaltung mehrdimensionaler Charaktere.
Verdi findet in seinem Alterswerk zu einer sich gegenseitig bedingenden wie durchdringenden szenischen, sprachlichen und musikalischen Vielschichtigkeit, die ihresgleichen sucht. Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist Falstaff, der seine leeren Taschen durch zwei Liebesabenteuer mit reichen Bürgersfrauen auf zufüllen wünscht. Seine Liebesbriefe setzen ein komödiantisches und turbulentes Verwirrspiel in Gang, in dem eifersüchtige Wut, Paravents, Wäschekörbe, schmatzende Küsse, die Eiche Herne, ein Hirschgeweih, Spott und Revanche sowie falsche und richtige Hochzeiten eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Am Schluss jedoch zieht der heruntergekommene Edelmann mit Überlegenheit selbst das überraschende Fazit: Das durch menschliche Schwächen verwirrte Treiben dieser Welt ist am besten mit gelassener Heiterkeit hinzunehmen – »tutto è burla«: »Alles ist Spaß auf Erden«.

Wiederaufnahme am 17.09.2011

Großes Haus
Dauer: 2 Stunden 30 Minuten, eine Pause nach dem 2. Akt

Musikalische Leitung: Alexander Joel
Inszenierung: Wolfgang Engel
Bühne: Martin Kukulies
Kostüme: Michael Sieberock- Serafimowitsch
Chor: Georg Menskes
Lichtgestaltung: Frank Kaster
Dramaturgie: Jens Neundorff von Enzberg

Mit:
Sir John Falstaff: Oleg Bryjak
Ford: Malte Roesner, Orhan Yildiz
Fenton: Matthias Stier
Dr. Cajus: Steffen Doberauer
Bardolph: Kenneth Bannon, Tobias Haaks, Kenneth Bannon
Pistol: Selçuk Hakan Tiraşoğlu
Mrs. Alice Ford: Nataliya Kovalova, Tatiana Plotnikova
Ännchen (Nannetta): Ekaterina Kudryavtseva, Simone Lichtenstein
Mrs. Quickly: Evelyn Krahe, Evelyn Krahe, Veronika Waldner
Mrs. Meg Page: Sarah Ferede