Orpheus und Eurydike

von Christoph Willibald Gluck
Oper in drei Akten
Dichtung von Ranieri de Calzabigi
»Gespannt gespielt und mit dynamischen Differenzierungen ausgestaltet, vermittelt Hein am Pult durchaus die nötige Weichheit der Klage, Vehemenz des Aufruhrs, Effekte wie das Nein des Höllenchors - als Ausruf der Musiker. Und die Sänger sind allesamt glänzend aufgelegt, in der Nähe zum Publikum perfekt wortverständlich - Deutsch ist doch keine so unsangliche Sprache.« Braunschweiger Zeitung
Liebe und exzessives Künstlertum als unvereinbare Antipoden – dieses Thema wohnt beinahe allen Bearbeitungen des »Orpheus«-Stoffes inne. Schon in der römischen Kaiserzeit wählen die großen Epiker Vergil und Ovid fundamental entgegengesetzte Mittel, dieses Dilemma in die Dichtung zu übertragen: Während Ovid dem Künstler in seinen »Metamorphosen« durch eine Verwandlung die Apotheose schenkt, lässt Vergil in seinen »Georgica« den von Bacchantinnen zerpflückten Orpheus-Körper noch im Tod den Namen der verlorenen Geliebten Eurydike nennen. Zwei Jahrtausende später beschäftigt auch zwei große Filmemacher des 20. Jahrhunderts der Stoff: Marcel Camus lässt in »Orfeu Negru« den verzweifelten Dichter an einer Klippe zerschellen und Jean Cocteau führt seinen »Orphée« in eine zwie -
lichtige, in ihrer Künstlichkeit verlockende Unterwelt, in der die oft idealisierte Frau zur Nebensache wird.
Christoph Willibald Gluck hat in seinem 1762 uraufgeführten Werk den inneren Reichtum der Künstlerfigur Orpheus voll erfasst. Betrachtet man seine Oper unabhängig von den für die Entstehungszeit unumgänglichen Chortableaus, so findet sich ein auf zwei Personen extrem reduzierter Zugang zum Stoff. Nirgendwo wird das verzweifelt Menschliche der Künstlerfigur Orpheus so deutlich wie bei Gluck, seien es die immer wiederkehrenden, bohrenden Nachfragen in seiner ersten Arie, wie er bloß ohne die Geliebte weiterleben solle oder eine völlig aus den Fugen geratene, durch Eurydikes Verlust dominierte Naturbeobachtung.
Die Essenz des Werkes ist in ihrer Beschränkung ebenso reich wie herausfordernd: Zwei Liebende agieren im Korsett ihres Gefühls, wobei das Scheitern des unbedingten Affekts durch Einbruch der Realität ebenso unvermeidlich wie unverzeihlich ist.

Premiere am 05.02.2012

Hausbar


Musikalische Leitung: Christopher Hein
Inszenierung: Dorian Dreher
Ausstattung: Felicia Schick
Dramaturgie: Katja Bury, Jens Neundorff von Enzberg

Mit:
Orpheus: Julia Rutigliano
Eurydike: Simone Lichtenstein
Amor: Moran Abouloff
Der Künstler: Tobias Haaks