Verrücktes Blut

Schauspiel von Nurkan Erpulat und Jens Hillje
»Es ist ein meistens großartiger Abend, gerade weil die Schauspieler echte Komödienfiguren erschaffen, und die weltanschaulichen Sackgassen rund um Gewalt und Ehrenmord, um Kopftuch-Emanzipation und Gutmenschentum, um Demokratieverständnis und Idealismus durch die Leichtigkeit ihrer Präsentation echte Frustrationsgefühle erwecken. »Verrücktes Blut« ist klug genug, um schließlich zu unterstreichen, dass die Loslösung von den vorgeschriebenen Rollen, die Freiheit von den kulturellen Konflikten vorläufig nur auf dem Theater möglich sind.«
Nachtkritik.de
Projekttag. Schiller steht auf dem Programm der Theater-AG: »Die Räuber«, »Kabale und Liebe«. Sonia Kelich, die Lehrerin, redet über Schillers Ästhetik – »Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt« – aber keiner hört zu, die Schüler haben andere Sorgen. Die Lehrerin wird überschrieen, Macho-Gehabe und Gewaltandrohungen füllen den Unterrichtsraum bis im Gerangel Musa eine Pistole aus dem Rucksack fällt. Die Waffe ist echt, und sie ist geladen. Sonia Kelich greift zu, und dann wird gespielt: Franz Moor, der ewig Benachteiligte; sein Bruder Karl, das Intrigenopfer, das zum Terroristen wird; Ferdinand, dem es nicht gelingt, die Klassenschranken niederzureißen, die ihn von Luise trennen und Luise selbst, die ihr Gehorsam das Leben kostet. Die Ideen des deutschen Idealismus im Kopf und die Pistole in der Hand, wird die Lehrerin zur Bildungsterroristin. Ein absurdes Verwirrspiel beginnt, in dem Schulalltag und Schillers Pathos, Migrationsprobleme und die Not der Lehrer, soziale Benachteiligung und die idealistischen Ideen von Vernunft als Einsicht in die Notwendigkeit ein unentwirrbares, absurdes, ebenso beängstigendes wie komisches Amalgam bilden – bis das Theater alle erlöst.

»In dem Stück geht es nicht um die Schüler./In dem Stück geht es nicht um die Lehrer./In dem Stück geht es nicht um die Schule./In dem Stück geht es um den Blick darauf, es geht um das Publikum.« Nurkan Erpulat und Jens Hillje

»Verrücktes Blut« wurde 2011 für den Mülheimer Dramatikerpreis nominiert, die Uraufführungsinszenierung am Ballhaus Naunynstraße zum Berliner Theatertreffen und u. a. zu den Festivals Radikal Jung und Heidelberger Stückemarkt eingeladen.

Premiere am 19.11.2011 / WA am 25.02.2014

Kleines Haus
Dauer: eine Stunde 50 Minuten

Inszenierung: Catja Baumann
Bühne: Gwendolyn Bahr
Kostüme: Leah Lichtwitz
Musikalische Einstudierung: Burkhard Bauche
Dramaturgie: Charlotte Orti von Havranek
Choreografie: Sebastian Geiger
Theaterpädagogik: Angelika Andrzejewski

Mit:
Sonia Kelich: Martina Struppek
Mariam: Nientje Schwabe
Latifa: Theresa Langer
Bastian: Nikolaij Janocha
Musa: Raphael Traub
Hakim: Philipp Grimm
Ferit: Oliver Simon
Hasan: David Kosel