Abgesoffen

Schauspiel von Carlos Eugenio López
»Rabenschwarzhumorig und zynisch ging es zu bei der Premiere von »Abgesoffen«. (… ) Am Ende gibt es viel Beifall für das Stück über das Unterlaufen moralischer Ansprüche.«
neue Braunschweiger
Klaus Lembke und Philipp Grimm »sind ein gutes Team, und es macht Spaß, ihnen im intimen Theaterkeller U 22 zuzusehen.«
Braunschweiger Zeitung
Zwei Männer fahren mit einem toten Afrikaner im Kofferraum durch das nächtliche Spanien und unterhalten sich dabei über Alexander den Großen, Sex, Philosophie, Physik, Gott und die Welt. Sie müssen sich die Zeit vertreiben. Sie sind auf dem Weg an die Küste von Gibraltar, und zwar zum 29. Mal. Sie sind Auftragskiller, die im Dienste irgendeines »Sesselfurzers« und unter den halb geschlossenen Augen der Guardia Civil illegale Immigranten im Meer entsorgen. Sie arbeiten so, dass es nicht auffällt und ertränken ihre Opfer vorher in einer Badewanne mit Salzwasser. Der spanische Autor Carlos Eugenio López, geboren 1954 in Léon, verließ Spanien 1977 und lebt nach Stationen in Frankreich und England inzwischen in Griechenland. Mit seinem ausschließlich aus Dialogen bestehenden Roman über die beiden
Killer im Auftrag der »Festung Europa« hat er einen ebenso bösartigen wie hintersinnigen Kommentar auf den abendländischen Humanismus und die moderne Dienstleistungsgesellschaft verfasst. López lässt seine beiden Protagonisten, den Vorlauten und den Scheuen, den Nullachtfünfzehn-Rassisten und den Typ »unauffälliger Arbeitnehmer«, bei ihrer nächtlichen Fahrt mit Leiche virtuos auf der Klaviatur von Smalltalk und Philosophie, Männerzoten und Männerfreundschaft, Groteske und Poesie spielen. Da geht es um die Mutter aus La Mancha, die es niemals geschafft hat, »Don Quijote« zu lesen, darum, ob der eine den anderen erschießen würde, wenn er durch einen Unfall querschnittsgelähmt würde, um Frauen, Masturbation, das Verhältnis von Prostitution und Marktwirtschaft, um gute und schlechte Werbespots,
König Philipp II., Papst Johannes XXIII. und Stalin, um die Augenfarbe ihrer 29 Opfer, darum, dass Spanien den Spaniern gehört, Afrika den Tieren und dass man sich wehren muss im Leben: »Es ist eine Sache, den Kopf in den Sand zu stecken, und eine andere, sich eine Kugel zu geben. Es gibt auch noch etwas in der Mitte.«
Die Welt, das Geld, die Verhältnisse und die Kunst des Absaufens – López’ Killer sind Experten des Alltags, in jeder Hinsicht.

Premiere am 10.02.2012 / WA am 29.10.2012

U 22