Themenwochenende Interkultur

Vorstellungen, Publikumsgespräche,
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Schirmherrschaft: Aygül Özkan, Niedersächsische Ministerin für Soziales, Frauen, Gesundheit und Integration
 
Grußwort der niedersächsischen Ministerin für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration, Aygül Özkan, anlässlich des Themenwochenendes Interkultur vom 19.04. bis zum 22.04.2012 am Staatstheater Braunschweig

Liebe Freunde des Staatstheaters Braunschweig!

Wer sich mit Kultur beschäftigt, steht sofort vor der Frage, wie er diesen Begriff für sich persönlich definiert. Wer ein Lexikon zu Rate zieht, findet dort den Hinweis, dass sich das lateinische Wort cultura von colere ableitet, was so viel heißt, wie wohnen, pflegen, verehren, aber auch den Acker bestellen. Im weitesten Sinne steckt unter diesem Begriffsdach also all das, was der Mensch verändert, veredelt und gestaltet. Blickt man um sich statt ins Lexikon, stellt man fest, dass der Begriff Kultur in unserer Alltagssprache viele Bedeutungen gewonnen hat: Wir sprechen von Diskussionskultur oder Esskultur, wir unterscheiden zwischen Hoch- und Subkultur. Bisweilen wird auch über die Kultur gestritten, etwa über die Frage, ob ein Kampf der Kulturen droht.
Der indische Nobelpreisträger Amartya Kumar Sen hat in diesem Zusammenhang erklärt: »Die Annahme, jede Kultur sei homogen, ist ein großer Fehler. Einen ‚Kampf der Kulturen’ zu konstatieren, ist ebenso ein großer Fehler.« Diesem Gedanken verleiht das Staatstheater Braunschweig mit seinem Themenwochenende »Interkultur« mit künstlerischen Mitteln Ausdruck. Als niedersächsische Integrationsministerin habe ich daher gerne die Schirmherrschaft übernommen.
Besonders freut mich, dass nicht nur über Menschen mit Migrationshintergrund sondern auch mit Menschen mit Migrationshintergrund gesprochen wird. So berichten etwa Menschen, die in Deutschland Asyl beantragt haben, in einer Inszenierung über ihren Lebensweg. Mit seiner interessanten Themenauswahl macht das Staatstheater Braunschweig einen wichtigen Schritt zu einer Reflektion über das Thema Zuwanderung und leistet so einen Beitrag zur Integration. Ich wünsche Ihnen für Ihr Themenwochenende viel Erfolg.

Aygül Özkan
Niedersächsische Ministerin für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration
Wie unsere Gesellschaft in Zukunft aussehen könnte, beschäftigt die Menschen in Deutschland mit zunehmender Intensität. Ein Land blickt in den Spiegel und scheint mitunter überrascht. Warum? Bis 1968 schloss die Bundesrepublik Deutschland Anwerbeverfahren mit Italien, Spanien, Griechenland, Türkei, Marokko, Portugal, Tunesien und dem ehemaligen Jugoslawien ab. In Braunschweig verzeichnete man schon in Folge des Zweiten Weltkrieges eine starke Zuwanderung. Heute kommen Menschen aus aller Welt um hier zu studieren, bei einem Global Player zu arbeiten oder Schutz zu suchen vor politischen und sozialen Bedrohungen. Mittlerweile leben Menschen aus über 140 unterschiedlichen Ländern in Braunschweig. Die Stadt nimmt hierdurch den Charakter eines »Schmelztiegels« an. Aber was wissen wir voneinander? Wie gehen wir miteinander um? Was wünschen wir uns für unser Zusammenleben? Migration, gesellschaftliches Miteinander und Mitgefühl - das Staatstheater widmet dem Themenkreis derzeit gleich fünf Inszenierungen. In Kooperation mit der Stadt Braunschweig und dessen Sozialreferat, Büro für Migrationsfragen, bündeln wir die Inszenierungen einmalig zu einem vielfältigen Themenwochenende. Die Schirmherrschaft hat die niedersächsische Ministerin für Soziales, Frauen Familie, Gesundheit und Integration, Aygül Özkan, übernommen. Die Eröffnung erfolgt am 19.04. durch Braunschweigs Sozialdezernent Ulrich Markurth. Journalistisch begleitet wird das Themenwochenende durch unseren Medienpartner Braunschweiger Zeitung. Angeregt durch die Theateraufführungen, bietet sich die vielfältige Gelegenheit, die gegenwärtige Situation zu reflektieren und in Gesprächen zu vertiefen.
Das Stück »Verrücktes Blut« von dem türkisch-deutschen Autorenteam Erpulat/Hilje gilt als das Stück der Saison und wurde von Kritikern der Fachzeitschrift Theater heute zum Stück des Jahres 2011 gewählt, weil es den manchmal schwierigen Dialog zwischen Lehrern und Schülern mit Migrationshintergrund mutig thematisiert. Mehr Informationen...

In dem Stadt-Theater Projekt »My Own Private Odyssee« erzählen Menschen, die in Deutschland Asyl beantragt oder schon gefunden haben, live auf der Bühne von ihrem Lebensweg. Mehr Informationen...

William Shakespeares berühmte Tragödie »Othello« bearbeitet das Thema des für seine Fachkompetenz geduldeten, aber ungeliebten Fremden anhand eines großen Feldherrn. Mehr Informationen...

In dem Stück »Nathans Kinder« wird Lessings große Parabel über Toleranz und interreligiösen Dialog als Geschichte für Kinder und Jugendliche erzählt. Mehr Informationen...

Und in dem absurden Stück »Abgesoffen« blickt der spanische Autor Carlos Eugenio López mit viel schwarzem Humor auf die Haltung der Europäer gegenüber afrikanischen Einwanderern. Mehr Informationen...


PROGRAMM

Do, 19.04.

Kleines Haus

19.00 Foyer Eröffnung mit Generalintendant Joachim Klement

19.10 Foyer Einführung »Verrücktes Blut«
19.30 Bühne »Verrücktes Blut«
ca. 21.30 U 22 Nachgespräch mit dem Ensemble

Fr, 20.04. 

Kleines Haus

11.00 Bühne »Nathans Kinder«
12.30 U 22 Nachgespräch mit dem Ensemble

19.00 Foyer Einführung »Othello«
19.30 Bühne »Othello«
ca. 21.30 U 22 Nachgespräch mit dem Ensemble

Sa, 21.04. 

Kleines Haus

17.30 Foyer Einführung Abgesoffen
18.00 U 22 Abgesoffen
19.15 U 22 Nachgespräch mit dem Ensemble und dem Regisseur Paul Simon Schneider

19.30 Foyer Einführung »Othello«
20.00 Bühne »Othello«
ca. 21.30 U 22 Nachgespräch mit dem Ensemble

Haus Drei

19.30 Werkstatt Einführung »My Own Private Odyssee«
20.00 Bühne »My Own Private Odyssee«
21.45 Werkstatt Nachgespräch mit dem Stadt-Theater-Ensemble und Regisseurin Ulrike Hatzer

Kleines Haus

22.00-02.00 Probebühne Party mit DJ Jimmy Nestor (Stadt-Theater-Ensemble) & DJ KÖ (Schauspielensemble)


So, 22.04.

Kleines Haus 

Probebühne
15.00 – 15.45 Szenische Lesung »Die besseren Wälder« mit dem Ensemble des Jungen Staatstheaters
16.00 – 17.30 Podiumsgespräch »Gesetze der Gastfreundschaft«

Haus Drei

17.30 Werkstatt Einführung » My Own Private Odyssee«
18.00 Bühne »My Own Private Odyssee«
19.45 Werkstatt Nachgespräch mit dem Stadttheater-Ensemble und Regisseurin Ulrike Hatzer

vom 19. bis 22.04.2012

Diverse Orte