Die Nachtigall / Das Kind und die Zauberdinge

Le Rossignol / L'enfant et les Sortilèges
Kurzopern in französischer Sprache mit deutschen Übertiteln
»So zauberhaft leicht und zart und doch klangvoll schwingt sich Ruri Ando auf in die höchsten Höhen ihrer Partie als Nachtigall, das selbst Vögel die Konkurrenz annehmen würden. (...)
Die glänzende Ensembleleistung steuert Sebastian Beckedorf mit viel Sensibilität für die irisierenden Farben Ravels und Stravinskys flöten- und harfenbestimmte Märchenwelt.«
Braunschweiger Zeitung
Igor Strawinsky und Maurice Ravel – die Lebenslinien dieser beiden Komponisten überschnitten sich zuweilen, und das nicht nur, weil sie sich in Paris des Öfteren über den Weg liefen. Änderte sich ihre Stilistik auch mit den Jahren, so schöpften beide ihre Musik zunächst aus der gleichen Quelle: dem Impressionismus mit seiner üppigen Harmonik und seinen subtilen Klangfarben. Sowohl Strawinskys »Nachtigall« (1908 – 1914) als auch Ravels »Das Kind und die Zauberdinge« (1920 – 1925) stehen in dieser Tradition und überzeugen gleichermaßen mit einer brillanten Orchestrierung, tonmalerischen Exotik, surrealistischen Elementen und einer Handlung, wie sie phantastischer und lehrreicher kaum sein könnte. Dennoch: Beide Werke werden bis heute nur selten gespielt. Und das vollkommen zu Unrecht! Grund genug also für einen »märchenhaften« Doppelabend; und eine ideale Gelegenheit zu zeigen, was die französische Musik aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu bieten hat.

Die Nachtigall<br />

von Igor Strawinsky
(Le Rossignol)
Conte-lyrique in drei Akten
Text von Igor Strawinsky und Stepan Stepanowitsch Mitusow
nach dem gleichnamigen Märchen von Hans Christian Andersen
in französischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Hans Christian Andersens Märchen von der Nachtigall, deren natürlicher Gesang jeder von Menschenhand geschaffener Imitation weit überlegen ist und sogar den Tod besiegen kann, war für Strawinsky die ideale Inspiration, daraus seinen Opernerstling zu formen.
Eine Nachtigall müsste man haben, denkt sich der Kaiser von China. Schließlich hat er von ihrem unnachahmlich betörenden Gesang gehört. Endlich eingefangen, singt sie bei Hofe. Und ihre Töne rühren den Herrscher zu Tränen, was die Nachtigall als schönsten Lohn für ihre Darbietung ansieht. Als sich der Kaiser jedoch auch den Gesang einer mechanischen Nachtigall anhört, sucht die echte wieder die Freiheit und fliegt davon. Der Kaiser ist wütend darüber, verbannt den Vogel aus seinem Reich und lässt stattdessen den Automaten an seinem Bett aufstellen. Doch das mechanische Räderwerk des Kunstvogels verschleißt, sein Ton erstirbt und mit ihm auch der Kaiser, nach dessen Leben der Tod schon seine eisige Hand austreckt. Hier vermag nur noch der Gesang der echten Nachtigall zu helfen.

Das Kind und die Zauberdinge

(L’enfant et les Sortilèges)
von Maurice Ravel
Fantaisie lirique in zwei Teilen
Text von Colette
in französischer Sprache mit deutschen Übertiteln
In Ravels »Das Kind und die Zauberdinge« geht es schon recht sonderbar zu: Tasse und Teekanne tanzen gemeinsam Foxtrott, die Standuhr läuft durch den Raum, aus dem Mathematikbuch ergießt sich eine endlose Prozession von Zahlen, und die Tiere des Gartens beginnen zu sprechen. All’ das ist kein Zufall. Es ist vielmehr die Folge des zerstörerischen Wutanfalls eines trotzigen Kindes. Nachdem es lange genug das Zimmer verwüstet und die Haustiere gequält hat, erwacht seine Umgebung auf geheimnisvolle Weise zum Leben und beginnt, sich zur Wehr zu setzen. Erst als sich das Kind liebevoll um ein verletztes Eichhörnchen kümmert, scheint der Zauberbann gebrochen.
Mit »Das Kind und die Zauberdinge« auf einen Text der Erfolgsautorin Colette brachte Ravel seine vielleicht schönste und farbenreichste Musik zu Papier. Denn quakende Frösche, tanzende Teekannen, eine Prinzessin aus dem Märchenbuch und weitere szenische Überraschungen bedürfen nun einmal einer ganz eigenen, phantasievollen Tonsprache.

Premiere am 28.10.2012

Großes Haus


Musikalische Leitung: Sebastian Beckedorf
Inszenierung: Paul Esterhazy
Bühne und Kostüme: Pia Janssen
Chor: Johanna Motter
Kinderchor: Tadeusz Nowakowski
Dramaturgie: Ilka Seifert

Mit:
LE ROSSIGNOL:
Die Nachtigall: Ruri Ando
Die Köchin: Simone Lichtenstein
Der Fischer: Arthur Shen, Matthias Stier
Der Kaiser von China: Oleksandr Pushniak, Orhan Yildiz
Der Tod: Anne Schuldt
Der Bonze: Selçuk Hakan Tiraşoğlu
Der Kammerherr: Rossen Krastev
Die Tödin: Anne Schuldt
Japanische Gesandte: Jae-Min Ahn, Young-Ki Kim, Yuedong Guan
Ein Kind: Matti Schuldt, Maurice Kage
Die japanische Nachtigall: Nathalie Dinter

L'ENFANT ET LES SORTILÈGES:
Das Kind: Milda Tubelytė
Mutter: Anne Schuldt
Sessel/Baum: Rossen Krastev
Lehnstuhl/Eule: Simone Lichtenstein
Standuhr/Kater: Oleksandr Pushniak, Orhan Yildiz
Teekanne: Michael Ha
Chinesische Tasse/Schäfer/Libelle: Yuliya Grote
Eine Schäferin/ Die Fledermaus: Moran Abouloff
Feuer/Prinzessin/Nachtigall: Ruri Ando
Katze/Eichhörnchen: Masami Tanaka
Laubfrosch/Alter Mann: Matthias Stier
Bank/Strohstuhl/Kanapee/Hocker/Zahlen: Kinderchor des Staatstheaters Braunschweig
Schäferinnen/Schäfer/Bäume/Frösche/Libellen/Oleanderschwärmer/Eichhörnchen: Chor des Staatstheaters Braunschweig
Die Asche: Nathalie Dinter, Patrick Kaluza