3. Sinfoniekonzert

George Antheil
Ballet Mécanique
Jan Koetsier
Konzert für Blechbläser-Quintett und Orchester op. 133
Peter Iljitsch Tschaikowsky
Sinfonie Nr. 1 g-Moll op.13 »Winterträume«


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Orchesterdirektor Martin Weller zum 3. Sinfoniekonzert
Dieser Abend wird eingeleitet durch eines der größten Skandalstücke der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts. Die New Yorker Erstaufführungdes »Ballets mécanique« von Georges Antheil 1927 löste einen Sturm der Entrüstung aus, der den Uraufführungsskandal von Strawinskys »Sacre du Printemps« übertraf. Strawinsky hatte wenigstens noch ein traditionelles Orchester eingesetzt, doch Georges Antheil verabschiedete sogar das und ersetzte es durch ein Ensemble von Motoren – mechanische Klaviere, elektrische Klingeln, Sirenenund Flug- zeugmotoren. Georges Antheil war ein radikaler Dadaist, man nannte ihn den »Bad Boy of Music«. Der gebürtige Amerikaner ging 1922 nach Berlin und Paris und gehörte zur Bohème um Erik Satie,Jean Cocteau, Ernest Hemingway, James Joyce und Pablo Picasso. 1924 entwickelte er zusammen mit dem Maler Fernand Léger die Idee zu einem Maschinenballett. Die Uraufführung 1926 in Paris war der erste, noch gemäßigte Skandal, nach der New Yorker Premiere wurde er zum Skandal-Erfolg; man organisierte ihn bis 1928 noch sechsmal, u. a. in Baden-Baden, Philadelphia und der Carnegie Hall. Dann wurde es still und erst 1989 entdeckte man das »mechanische Ballett« erneut. Das Ensemble Modern unter Peter Rundel ging mit ihm sogar 1999 auf eine erfolgreiche Tournee nach Wien, Köln, Frankfurt, Berlin und London.

Der Niederländer Jan Koetsier machte sich vor allem einen Namen als Dirigent, er hinterließ jedoch auch eine umfangreiche Liste eigener Werke. Koetsier war u. a. Dirigent des Concertgebouw-Orchesters Amsterdam und des Bayerischen Rundfunk-Sinfonieorchesters sowie Professor für Dirigieren und Leiter des Hochschulorchesters an der Musikhochschule München. Das Konzert für Blechbläser-Quintett und Orchester komponierte er 1992; es wurde 1994 uraufgeführt.

1866 hatte Nikolaj Rubinstein den jungen Tschaikowsky aus seinem Petersburger Elend erlöst, indem er ihn als Professor an sein neugegründetes Moskauer Konservatorium berief. Das befreite ihn von seinen drückenden materiellen Sorgen. Er hatte nun viele Kompositions- und Lehrverpflichtungen und er stellte sich die Aufgabe, eine Sinfonie zu schreiben, die seine Visitenkarte für die Musikwelt werden sollte. »Nicht eine einzige seiner Kompositionen hat ihm soviel Mühe und soviel Qual gekostet wie gerade diese Symphonie«, wird später sein Bruder Modest in seinen Erinnerungenschreiben. Am 11. Februar 1867 wurden in Petersburg die ersten beiden Sätze aufgeführt, das ganze Werk ein Jahr später in Moskau, doch auch danach korrigierte Tschaikowsky nochmals die Partitur. Zuletzt gab er ihr den Titel »Winterträume«.

am 18. und 19. November 2012

Stadthalle