Liliom

von Franz Molnár
eine Vorstadtlegende in sieben Bildern und einem szenischen Prolog
für die deutsche Bühne bearbeitet von Alfred Polgar


»Das ist großes Kino, mitreißend und in dieser kompromisslosen Interpretation extrem berührend.«
Alexander Kohlmann (nachtkritik.de) vom 22.01.2011

»Ist es dir jemals passiert, Mutter, dass dich jemand geschlagen hat und du hast es nicht gespürt?« Julie kennt das Gefühl. Als sie so alt war wie ihre Tochter jetzt, hatte sie sich in Liliom verliebt, den Karussell-Ausrufer.
Viel Gutes lässt sich nicht über ihn sagen, aber das Fahrgeschäft der Frau Muskat floriert, denn alle jungen Mädchen, die den Jahrmarkt im Budapester Stadtwäldchen bevölkern, kommen seinetwegen. Nur dass es Liliom ernst ist mit Julie, verträgt die eifersüchtige Karussellbesitzerin nicht. Er kündigt. Das junge Paar findet Unterschlupf bei der Fotografen-Familie Hollunder, aber eine Perspektive hat ihr Leben nicht. Und manchmal schlägt Liliom sogar zu, wenn er Julies trauriges Gesicht nicht mehr ertragen kann. Als sie schwanger wird, ist er überglücklich und versucht, zu Geld zu kommen. Das Angebot der Muskat, zu ihr zurückzukehren, lehnt er jedoch ab – und für einen Hausmeisterposten ist er sich zu gut. Stattdessen plant Liliom zusammen mit Ficsur einen Raubüberfall. Der Anschlag misslingt, Ficsur kann fliehen und Liliom, der seinen Anteil schon vorher verspielt hat, ersticht sich, bevor die Polizei ihn verhaften kann. Zärtlich verabschiedet sich Julie von dem Sterbenden, den man ihr auf einer Bahre nach Hause gebracht hat. Sprachlosigkeit, Armut und Gewalt konnten ihrer Verbindung nichts anhaben, auch wenn so ziemlich alles in ihrem Leben schief gelaufen ist. Aber Liliom erhält eine zweite Chance. Nach sechzehn Jahren Buße entlässt die Himmelspolizei ihn zurück zur Erde.
Bei der Uraufführung in Budapest 1909 fiel Franz Molnárs Stück noch durch, bevor es in Wien und Berlin, später in Amsterdam, London und New York ein großes Publikum für sich gewinnen konnte. Der Stoff wurde mehrfach verfilmt, seine Faszination ist ungebrochen. Zum ersten Mal in Braunschweig.

Wiederaufnahme am 22.03.2012

Kleines Haus


Inszenierung: Daniela Löffner
Bühne: Claudia Kalinski
Kostüme: Sabine Thoss
Dramaturgie: Christine Besier
Theaterpädagogik: Angelika Andrzejewski

Mit:
Liliom: Sven Hönig
Julie/Luise: Theresa Langer
Marie: Rika Weniger
Fiscur: Hanno Koffler
Frau Muskat/Frau Hollunder: Nientje Schwabe
Wolf Beifeld/Der junge Hollunder: David Kosel
Der Drechsler/Linzmann: Moritz Dürr
Jenseits: Ensemble