Corpus Delicti

von Juli Zeh
»Das ist Science in fiction - ein Wissenschafts- Zukunftskrimi, den man sich im Kleinen Haus des Staatstheaters unbedingt anschauen sollte. (...) Eine beklemmende Vision. Nachdenken erlaubt.«
Henning Noske in der BZ vom 22.12.2011
»»Corpus Delicti« in der zweieinhalbstündigen Inszenierung von Crescentia Dünßer ist ein Plädoyer gegen den bereits heute grassierenden – in viele Fällen äußerst freiwillig gelebten – Fitness und Gesundheitswahn sowie überwachungsstaatliche Tendenzen im Allgemeinen.«
neue Braunschweiger
»Rika Weniger (…) zeigt in feiner körperlicher Abstufung, wie eine angepasste junge Frau irre wird an der verordneten Wahrheit, sich zum Widerstand ermutigt und zum zitternden Opfer entwürdigt wird.«
Braunschweiger Zeitung

»Das großartig aufspielende Ensemble macht aus den agitierenden Thesenverkündern echte Menschen aus Fleisch und Blut. Ein intelligenter Theaterabend garantiert mit Risiken und Nebenwirkungen.«
NDR Info
Mia Holl hat ihren Bruder verloren. Er soll im Gefängnis Selbstmord begangen haben, nachdem man ihn wegen Mordes zum »Scheintod« durch Einfrieren verurteilt hatte. Obwohl DNA-Spuren seine Täterschaft bewiesen, hatte Moritz Holl die Tat bestritten. Damit hat der Staat ein Problem. »Das Leben ist ein Angebot, das man auch ablehnen kann«, hatte Moritz zuletzt gesagt. Mit diesem Satz und der Erinnerung an Moritz hat nun Mia ein Problem.
Wir befinden uns im Jahr 2057. Die menschliche Zivilisation hat sich nach der Krise der Demokratien am Anfang des 21. Jahrhunderts neu erfunden. Und sie hat die Krankheit überwunden. Seit 30 Jahren weiß niemand mehr, was Schmerz und körperliche Beeinträchtigung sind. Der Staat hat seine Bürger zur Pflege der Gesundheit verpflichtet. Jeder Verstoß gegen dieses Gebot wird als Angriff auf die Gemeinschaft und den »natürlichen Lebenswillen« strafrechtlich verfolgt. Ein System permanenter Selbst- und Fremdkontrolle regelt das Leben: implantierte Chips, Sensoren in der Toilette, vorgeschriebene Ernährungs- und Sportprogramme, genetische Tests für potenzielle Paare. Doch mit dem Tod des Bruders kommt der Schmerz in das Leben der Biologin Mia Holl. Je mehr sie verstehen will, was passiert ist, umso mehr gerät sie in Opposition zu einem System, das sich längst zur besten aller möglichen Welten erklärt hat und in jedem Widerspruch den Beginn einer bedrohlichen Epidemie wittert.
Die mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Autorin Juli Zeh treibt in diesem Zukunftskrimi ein kluges, unter die Haut gehendes Spiel mit den Grundpfeilern unserer Zivilisation: dem Verhältnis zwischen Ordnung und Freiheit, Staatsmacht und individueller Selbstbestimmung, Leben und Glück. 2007 bei der Ruhrtriennale uraufgeführt, erschien »Corpus Delicti« 2009 auch als Roman.
NDR Info zur Premiere von Corpus Delicti


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Wiederaufnahme am 16.10.2011

Kleines Haus
Dauer: zwei Stunden 30 Minuten, eine Pause nach einer Stunde 15 Minuten

Inszenierung: Crescentia Dünßer
Koregie und Bühne: Otto Kukla
Kostüme: Annie Lenk
Dramaturgie: Charlotte Orti von Havranek
Theaterpädagogik: Angelika Andrzejewski

Mit:
Erzähler / Richter Hutschneider: Moritz Dürr
Richterin Sophie / Lizzie: Theresa Langer
Anwalt Rosentreter: Oliver Simon
Staatsanwältin Bell / Lebertsche: Sandra Fehmer
Heinrich Kramer: Tobias Beyer
Die ideale Geliebte / Driss: Louisa von Spies
Mia Holl: Rika Weniger
Moritz Holl / Würmer: David Kosel