Die Verwandlung

nach Franz Kafka
Dramatisierung von Mareike Mikat
»Der Familienspaziergang am Ende ist wesentlich in dieser Inszenierung. Denn was Regisseurin Mareike Mikat unterstreicht, ist die Müdigkeit, die in der Wissenschaft immer häufiger als Folge der Überforderung des Leistungssubjekts erkannt wird. Während Samsa demnach an einer Erschöpfungsmüdigkeit leidet, die nichts mehr ermöglicht, zeigt der Spaziergang der Familie, dass sie nun inspirierende Müdigkeit zulassen will, eine Hoffnung also.
Die Inszenierung ist leichtgängig und konsequent. Und gegenüber dem nahtlos agierenden Trio El Karseh-Lüps-Signitzer bleibt Winkelmann genau der Fremde, der er dem Text nach sein sollte. Der Applaus währt zurecht lange.«
Braunschweiger Zeitung

Gregor Samsa wacht auf. Er hat unruhig geschlafen, seine Beine und Arme fühlen sich anders an, er kann nicht mehr aus dem Bett aufstehen, sein Körper hat sich vollständig verwandelt. Über Nacht ist er zum Käfer geworden, nun bleibt er auf dem Rücken liegen. Seine Gedanken tragen ihn aus dem Zimmer fort, er denkt über sein Leben als Handlungsreisender und Tuchhändler nach. Wäre er nicht der Alleinversorger seiner Familie und müsste die Schulden seines bankrotten Vaters abarbeiten, würde er sofort kündigen.
Da Samsa nicht zur Arbeit erschienen ist, besucht ihn sein Vorgesetzter und flüchtet vor dem Ungeziefer. Auch Samsas Familie schreckt zurück. Ist dieser Käfer noch ihr Gregor? Und wie will ein Käfer den Unterhalt der Familie sichern? Die Familie entzieht dem Sohn und Bruder die Sympathie und Aufmerksamkeit. Ökonomisch wertlos, wird der Kadaver von Samsa schließlich im Müll entsorgt und Familie Samsa kann endlich einen Sonntagsauflug machen.
Einhundert Jahre nach dem Erscheinen von Kafkas Erzählung ist »Die Verwandlung« immer noch ein Rätsel, das einlädt, die Geschichte stets neu zu entdecken. Stoff und Form sind weiterhin ungewöhnlich und nicht umsonst schreibt der Romancier Vladimir Nabukov über seinen Autorenkollegen und dessen Erzählungen: »Die Durchsichtigkeit seines Stils betont den dunklen Reichtum seiner Phantasiewelt.«

Premiere am 11.05.2013 / WA am 16.11.2013

Haus Drei
Dauer: 90 Minuten, keine Pause
14+