2. Sinfoniekonzert

Witold Lutosławski
Konzert für Orchester
Sergej Prokofjew
Romeo und Julia op. 64
Einführung von Orchesterdirektor Martin Weller


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Witold Lutosławski und Sergej Prokofjew nehmen unter den Modernisten des 20. Jahrhunderts einen ersten Platz ein, aber in den beiden Werkendieses Konzertes zeigt sich klar, dass ihre musikalischen Wurzeln inder klassischen Tradition und in der Folklore liegen. Lutosławski,1913 in Warschau geboren, studierte in den 1930-er Jahren in seinerHeimatstadt gleichzeitig Komposition (bei Witold Maliszewski) undMathematik, und diese Dualität wurde für sein Schaffen äußerstfruchtbar. Er begann noch in den letzten Vorkriegsjahren alstraditioneller Modernist, ähnlich wie Hindemith oder Szymanowski,doch Ende der 1950-er Jahre brach er mit dieser Tradition und erfand eine Kompositionsweise, die auf mathematischen Parametern vonZufalls-Operationen beruhte. Man nennt sie »kontrollierte Aleatorik«(im Gegensatz zu der freien Aleatorik des Amerikaners John Cage), und  dieser Stil wurde ab 1960 das verbindliche Vorbild der meisten polnischen Modernisten, darunter Krzysztof Penderecki und Henryk Górecki. Der Bruch mit dem gemäßigten Modernismus ereignete sich 1956, er war eine ästhetische Reaktion – aber auch einepolitische – auf den polnischen Aufstand von 1956, weil er dieAbsage an den platten kulturpolitischen Folklorismus der Stalin-Ärabedeutete. Das erste Werk des neuen Stils war die »Trauermusik zumGedenken an Béla Bartók« von 1958, das letzte des alten Stils das »Konzert für Orchester« von 1954. Lutosławskis Folklorismuswar allerdings nicht platt und primitiv, er zeichnete sich durch Kultur und Raffinesse aus. In diesem Konzert, das dem langjährigen Chefdirigenten der Warschauer Nationalphilharmonie, Witold Rowicki, gewidmet ist, der es auch uraufführte, verband der Komponistpolnische Volkslied-Intonationen mit vorklassischen musikalischen Formen, wie der festlichen Intrada, der Passacaglia oder Toccata.

Dieses Verfahren verbindet das Werk Lutosławskis mit dem Ballett »Romeound Julia« von Prokofjew, einem Gipfelwerk der klassischen Ballettkunst. Am Anfang stand allerdings der Misserfolg. Das Kirow-Theater Leningrad, das 1934 den Auftrag erteilt hatte, zog sich zurück, das Bolschoi-Theater Moskau lehnte das Werk ebenfalls ab und so wurde es 1938 mit mäßigen Kräften und mäßigemErfolg in Brünn uraufgeführt. Erst nach dem Krieg, 1946, folgtedas Bolschoi, mit der legen- dären Primaballerina Galina Ulanowaals Julia, und nun wurde es zum Welterfolg. Jahrzehnte ging das glänzende Ensemble mit diesem Stück auf Tournee durch die ganze Welt, zugleich wurden die drei »Romeo und Julia«-Orchestersuiten, die Sergej Prokofjew selbst schuf, fester Bestandteil des sinfonischen Repertoires. Berühmt wurde auch die Aufführung des Werkes durch das Royal Ballet London mit Margot Fonteyn als Julia und Rudolf Nurejew als Romeo.

am 14. und 15. Oktober 2012

Stadthalle