10. Sinfoniekonzert

Richard Wagner
Siegfried-Idyll E-Dur WWV 103
Gustav Mahler
Sinfonie Nr. 6 a-Moll
Das »Siegfried-Idyll« war ein Geburtstagsgruß Richard Wagners für seine Gattin Cosima. Ursprünglich hieß es »Tribschener Idyll mit Fidi-Vogelsang und Orange-Sonnenaufgang, als Symphonischer Geburtstagsgruss. Seiner Cosima dargebracht von Ihrem Richard« und es wurde uraufgeführt zu Cosimas 33. Geburtstag am 25. Dezember 1870. »Fidi« war der Kosename des anderthalbjährigen Sohnes Siegfried. Musikalisch verwandte Wagner jedoch Themen aus dem damals noch unaufgeführten Musikdrama »Siegfried«, dem dritten Abend der Tetralogie »Der Ring des Nibelungen«.

Gustav Mahler komponierte seine 6. Sinfonie a-Moll in den Sommermonaten 1903/1904, sie wurde unter seiner Leitung am 27. Mai 1906 auf dem Musikfest des »Allgemeinen Deutschen Musikerverbandes« in Essen uraufgeführt. Mahler hatte keinen Erfolg damit, das Publikum war von dem Ernst und der katastrophischen Stimmung des Werkes eher überrascht und unangenehm berührt als beeindruckt. Sie erhielt den Beinamen »Die Tragische«, das trifft ihren Gehalt. »Meine VI. wird Rätsel aufgeben, an die sich nur eine Generation heranwagen darf, die meine ersten fünf in sich aufgenommen und verdaut hat«, schrieb er an seinen Biografen Richard Specht. Komponiert ist das Werk in dem Örtchen Maiernigg, in dem der Wiener Operndirektor seine Theaterferien verbrachte. Alma Mahler bezeichnete diese beiden Sommer 1903/1904 als die glücklichste Zeit ihrer Ehe. Als Mahler ihr das fertige Werk am Klavier vorspielte, weinten sie vor Ergriffenheit, sie nennt es sein »allerpersönlichstes Werk«. Später vertrat man die Meinung, das Werk sei von düsteren Vorahnungen kommenden Unheils erfüllt, vom Tode der Tochter im Jahre 1907 und Mahlers erzwungenem Rücktritt vom Wiener Direktionsposten im selben Jahr, so als ob die Sinfonie ein persönliches Horoskop wäre. Eine solche Deutung geht gewiss fehl und verkürzt das Werk auf die Vorstellungswelt der Privatanekdote. Viel eher trifft der Mahler-Forscher Hans F. Redlich das Richtige, wenn er seine treffliche Analyse mit den Worten resümiert: »Das philosophische Rätsel dieser Sinfonie ist von den kriegerischen Tatsachen des 20. Jahrhunderts selbst gelöst worden, in dessen Erstlingsjahren es entstand.« Nun handelt es sich freilich ebenso wenig um einen sinfonischen Science-fiction-Roman mit der akustischen Schilderung von Kanonendonner und Kriegsgräueln. Was Mahler einfängt, ist das Gefühl einer nahenden Katastrophe, eines Untergangs von Glaube, Liebe, Hoffnung in einer herzlosen Welt. Das Gefühl des »Fin de siècle«, ein Weltende-Gefühl, teilte er mit vielen. Wir können nur ahnen, nicht wissen, warum Mahler in den glücklichsten Jahren seines Lebens die Todesstimmung überfiel. Auch die »Kindertotenlieder« entstanden zur gleichen Zeit und sie werden beziehungsvoll in der Sinfonie zitiert.

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Das Konzert steht im Kontext des Kulturprojektes »1913 – Braunschweig zwischen Monarchie und Moderne« der Stadt Braunschweig.
 
 

am 16. und 17. Juni 2013

Stadthalle


Musikalische Leitung: Alexander Joel

Staatstheater Braunschweig, 10. Sinfoniekonzert, Foto: