Ö 3.0- Das Ölperium kehrt zurück

Ein neues Lied für Braunschweig
Früher war »Ölper« ein unscheinbares Stückchen Braunschweig, eingeschnürt zwischen den Asphaltbändern der Stadtautobahn und einem kleinen See – nicht einmal groß genug für einen eigenen Stadtbezirk. Dann wurde »Ölper« zwei Sommer lang im Kleinen Haus des Staatstheaters Braunschweig zum Inbegriff eines musikalischen Stadtfestes. Mit dem interaktiven Wunschkonzert »Ölper Zwölf Pöints« und der Fortsetzung »Ö2 – die zweite Staffel« schufen die Jazzkantine mit ihrem Chefkoch Christian Eitner und der Autor Peter Schanz jenen kultigen Song-Contest, der zehntausende Braunschweigerinnen und Braunschweiger begeisterte. Das Publikum ließ sich mit Haut und Haar auf eine hoch professionelle Live-Show ein, die sich als großes Spiel mit vielen Identitäten ereignete und in kürzester Zeit eine ganz eigene Fan-Kultur zum Blühen brachte. Braunschweig feierte sich selbst im leidenschaftlichen Wettbewerb seiner so unterschiedlichen Stadtbezirke. Diese beiden Ölper-Sommer haben sich in das kollektive Gedächtnis der Stadt eingebrannt. Die Rufe nach einer Neuauflage des Sängerwettstreits, nach einer Zukunft für Ölper, sind seither nicht verstummt. Jetzt kehrt das Ölperium zurück: mit »Ö 3.0« werden neue Braunschweigerinnen und Braunschweiger mit neuen Songs für ihre neuen Stadtbezirke in die alte Schlacht ziehen, das legendäre »Braunschweigical« wiederbeleben und das Publikum über Ein neues Lied für Braunschweig entscheiden lassen.

Doch nicht nur das:

»Ö 3.0« gibt Braunschweig seine Zukunft!

Wir schreiben das Jahr 2055. Die Welt hat sich verändert. Niedersachsen auch. Der Meeresspiegel ist uns deutlich näher gerückt, manche Nachbarn sind dabei über Bord gegangen. Doch in der Landeshauptstadt Braunschweig gelten Klimakatastrophe, Weltwirtschaftskrisen und Städteverödung als endgültig überwunden: der prachtvolle Erfindungsreichtum, die wehrhafte Solidarität und die tapfere Tatkraft seiner Bürgerinnen und Bürger haben es möglich gemacht! Wir dürfen uns Braunschweig 2055 als eine glückliche Stadt vorstellen, die stolz die Säulen eines intakten Gemeinwesens präsentiert …

Mögen auch im Taumel von Fortschritt und Wachstum manch härtere Veränderungen unvermeidbar geworden sein, so wird doch nach wie vor die TRADITIONSPFLEGE großgeschrieben und folglich im Theater die 50. Staffel von »Ölper Zwölf Pöints« gefeiert.
Die jüngste Stadtbezirksreform hat zu einer deutlich schlankeren Verwaltung geführt, die Sachthemen in den einzelnen Bezirken wirken teilweise überraschend vertraut…
Im Norden erinnern anrührende Denkmale tätigen Bürger[meister]-Sinnes an die alte Zeit: die Ruinen der ehemaligen Wasserwelt sind von Lianen und Unkraut überwuchert und werden von den raren jungen Paaren gerne als behagliches Urwäldchen heimgesucht, denn für fröhlichen Badespaß gibt es ja nun genug eigene Stadtstrände.
Im Süden hat die Investitionslust des neuen chinesischen Mittelstandes segensreich gewirkt: eine alte Braunschweiger Hofbrauerei ist aus der Globalisierungsfalle gestärkt hervorgegangen und hat einen neuen Stadtteil gestiftet, in dem gemeinsam Volksmusik und Volkstanz gehegt werden: Woltersbüttel.
Der Osten der Stadt wird vom großen Seniorium dominiert: ein Parkreservat vermittelt den zehntausenden rüstigen und schlagkräftigen Mitgliedern der großen Ü 95-Bewegung Sinn, Halt und Sicherheit.
Und im Westen ist man zu Recht stolz darauf, wie vorbildlich die Integration des altafrikanischen Altenpflegepersonals und der versprengten Ex-Hannoveraner in den Lagern gelungen ist.
Die Innenstadt »Schlossmitte« schließlich glänzt als ein herrliches gesamtrestdeutsches Freilichtmuseum: wo immer in den vergangenen Jahrzehnten die Rekonstruktion eines Altschlosses am Bürgerwiderstand scheiterte, in Braunschweig-City wurde sie gerne vollzogen.

Pemiere am 23.08.2012

Kleines Haus


Musikalische Leitung: Christian Eitner
Inszenierung: Peter Schanz
Bühne: Christian Eitner, Peter Schanz, Carolin Schwarz
Kostüme: Eva-Maria Huke
Video: Peter Werner

Mit:
Cappuccino
Jule Frenk
Daniela Grubert
Dirk Lange
Lars "Louie" Bottmer (Jazzkantine)
Arne Stephan
Statisterie: Katrin Bothe, Josina Gausepohl, Laura Witte, Nina Walz
Jazzkantine: Tom Bennecke, Christian Eitner, Simon Grey, Andy Lindner, Christian Winninghoff